Was tun mit dem Web 2.0?

Das Web 2.0 Branding ChaosAuf den ersten Blick ist das, was wir nun die "Web 2.0" ("zwonull" , "web++" o.ä.)-Ära nennen nur eine große Sammlung von Diensten und Techniken, die nicht wirklich auf Anhieb den sozialen Gedanken, den sie angeblich transportieren, rüberbringen. Grundsätzlich stellen sie ja aber auch nur eine Art Medientechnik dar, deren Nutzung erst wirklich transportiert, was das Zwonull-Feeling ausmacht.

Letztendlich besteht das Web++ aus Empfehlungen. Egal, ob man bei digg.com mit seinem "digg" zeigt, dass eine Nachricht erwähnenswert ist, oder aber bei del.icio.us einen Link bookmarkt, beides sind implizite Empfehlungen an den Rest der Jünger++, dieses oder jenes doch mal zu probieren. Und wenn man es recht überlegt, dass basieren auch die erfolgreichen Web 1.0 Seiten genau auf diesen Empfehlungen...

Google zum Beispiel tut nicht viel mehr als die Links von anderen Seiten als Empfehlung aufzufassen und diese zu seinem Pagerank zusammenzufassen. Amazon wiederum wertet Käufe von anderen Kunden als Empfehlung bzw. nutzt die bereits getätigten Verkäufe, um Dinge empfehlen zu können.

Dieser Gedanke ist alles andere als neu, vielmehr wurde er in einem Flashfilm von Robin Sloan und Matt Thompson geäußert, in dem in einer Art Museumvideo die noch kommende Mediengeschichte im Rückblick gezeigt wird. Diesen Film gibt es hier auf deutsch in hoher Qualität, oder jetzt hier direkt.

 

Natürlich gibt es auch noch Beiträge die skeptischer sind. Wobei "Google Epic" vielleicht nicht etwas ist, was sich jeder wünschen kann. 

Dieser Film zeigt aber noch etwas anderes, was das Web 2.0 antreibt. Ein Wunsch, der einem neuen Medium gegenüber immer wieder geäußert wird, und der anscheinend gerade das erste Mal, tatsächlich eintritt: Medien (insbesondere das Radio bei Bertold Brecht) sollen Partizipation oder vielmehr Kommunikation zulassen.

Der Rezipient soll die Möglichkeit haben, auf die Medieninhalte zu reagieren, und seine eigene Meinung zu publizieren. Gleichzeitig soll dass, was in Deutschland häufig als ominöses Allheilmittel angepriesen wird, die "öffentliche Diskussion" hier tatsächlich stattfinden können.

All das, was in Blogs, Social Bookmarking-Diensten und News-Seiten schon Realität ist, könnte das sein, was eine wirkliche Medien-Aufklärung und die Emanzipation über ein redaktionsgesteuertes Inhaltsystem darstellt. Immer aber bitte mit dem Hintergedanken, dass es kaum vollständig ohne redaktionelle Inhalte gehen wird: Zum einen deshalb weil ein Dienst, wie Google News absolut nicht ohne die Inhalt der großen Newsseiten auskommt, zum anderen weil die klassischen Medien über eine viel höhere Zugänglichkeit verfügen, als das Web++.

Das ist nicht nur allein dadurch begründet, dass Fernseher, Radio und Zeitung leichter zu konsumieren und ohne technisches Verständnis zu benutzen sind, sondern auch, weil das Medienkonzept und die Inhaltsherrkunft sehr viel einfacher zu bewältigen ist. Denn, wenn mich mein neues Handy auffordert, doch die gerade geschossenen Fotos direkt in meinem Blog zu veröffentlichen, dann ist das für den Menschen++ zwar durchaus interessant, allerdings für den User 1.0 vollständig unverständlich: Zum Web 2.0 will das klassische Medienmodell mental erstmal komplett aufgegeben sein, und wer bisher Fotos immer ins Album geklebt hat, weiss nicht, welchen Mehrwert die Blicke des Globus für ihn haben könnten. Schlussendlich aber könnte eine medienhörige Gesellschaft mit einer Medienwelt++ die hoffentlich vorhandene Skepsis gegenüber Inhalten wieder verlieren. Denn die Inhalte, sind von vorneherein amateurhafter als der redaktionelle Content und damit mit einer entsprechenden Kennzeichnung versehen.

Interessant ist, dass die Medien 1.0 dem Web++ keine wirklichen Erfolgschancen zutrauen. Wenn in einem NZZ-Artikel schlussendlich das Fazit zieht, dass die Web++ Blase zerplatzen wird wie die dotcoms, scheint aber doch ein bisschen Furcht vorhanden zu sein. Ganz so einfach ist es glaube ich nicht meine Herren, aber ich werde den Teufel tun und mich in Spekulationen ergehen, denn wenn es ein mediengeschichtliches Gesetz gibt, dann das, dass man die mediale Zukunft kaum vorhersagen kann.

Aber selbst für den User++ ist das Web 2.0 teilweise zu unzugänglich. Da gibt es so viel auszuprobieren und immer wieder neue Dienste. Zusätzlich noch verpflichtet einen die Blogosphäre ja quasi alles mal gesehen zu haben, um mitreden zu können. Deshalb hier eine kleine Liste von Dingen, von denen ich denke, dass man die man mal ausprobiert haben sollte. Meine Empfehlungen also quasi ;)!

Dinge, die man probiert haben sollte

 
RSS-Feeds
RSS Feed IconWenn es eine Sache gibt, die für mich tatsächlich die Tageszeitung ersetzen, dann sind es RSS-Feeds: In einem beliebigen RSS-Reader (für den Mac vielleicht NewsFire, sonst RSSOwl) stellt man sich einfach die Neuigkeitenströme von verschiedenen Webseiten zusammen und erhält so die interessantesten und persönlich relevantesten Neuigkeiten direkt ins Haus. Dabei verhält es sich mit dem Newsreader ähnlich, wie mit der Tageszeitung. Selbst die persönlich ausgewählten Quellen schaffen nur selbst immer interessantes. Vielmehr scrollt schnell über die aktuellen Schlagzeilen und lässt aus, was nicht interessiert. Wer will kann gerne sich gerne meine Lieblingsfeeds als OPML-Datei herunterladen.

digg.com
Digg LogoDas Prinzip in Kürze: Auf dieser Webseite finden sich ausschließlich Neuigkeiten, die von Usern eingesandt wurden. Die jeweilige Relevanz der Neuigkeiten wird durch die "diggs" der anderen User bestimmt. Je mehr diggs ein Beitrag hat, desto höher die Chance, dass er letztendlich auf der Homepage von digg.com auftaucht. Die News in den verschiedenen Kategorieren sind teilweise brandaktuell und hochinteressant. Schade nur, dass viele Webseiten beim Auftauchen auf der Homepage der digg-Effekt erwischt und sie deshalb nicht mehr zu erreichen sind.

last.fm
last.fm LogoIst ein social-music Verzeichnis, in dem man Musik, die den eigenen Vorlieben entspricht finden und auch direkt hören kann. Mit dem Community-gepflegten Tagging-System spielt der last.fm-Player alle die Stücke, die er für den eigenen Musikgeschmack für passend hält. Man selbst wiederum kann sich durch eigenes Tagging oder aber durch "ban" oder "love" an der Bewertung der Songs beteiligen.

Es gibt sicher noch mehr Dinge die ich regelmäßig im Web++ nutze. Aber damit soll es erstmal getan sein. Wer übrigens einen Social Bookmarking-Dienst vermisst, der vermisst richtig. Sowas nutze ich ehrlich gesagt gar nicht.

Würde mich interessieren, welche Dinge im Web++ ihr so benutzt und was ihr überhaupt von der ganzen Entwicklung haltet!
 


Comments

  • Felix13:46 18.02.2007

    Social Bookmarking... Ich finde, es funktioniert im Alltag noch nicht wirklich. Meine Bookmarks habe ich auch lokal, del.icio.us wird nur genutzt, wenn ich den Besuchern meiner Website etwas empfehlen will. Mit einem kleinen Script ist die Sache einfach gelöst, neue Links sind mit 2 Klicks schon auf der Website.
    Aber ansonsten habe ich noch nicht erkannt, was das eigentlich soll. Wenn ich jemandem persönlich eine Website ans Herz legen will, bekommt er/sie eine kurze Mail von mir.

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