Großartige Spiel-Momente

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JoystickNeulich hörte ich Peter Molyneux drüben bei Gamespot in einem Video über "Fable 2" reden. Darin erwähnte er u.a. die Liste der 101 Greatest Gaming Moments, die die Autoren bei Games Radar zusammengestellt haben. Nach ausführlichem Studium fühlte ich mich teils genötigt, teils herausgefordert meine eigenen Lieblingsspielmomente zusammenzuschreiben.

Denn natürlich war ich beim Lesen der Auffassung, dass einige herausragende Moment noch fehlen bzw. einige von den genannten wohl nicht in diese Liste gehörten. Merkwürdigerweise fand ich aber einen Moment wieder, der definitiv auch bei mir ganz hoch oben anzusiedeln ist und von dem ich angenommen hatte, dass er andere Spieler nicht so sehr beeindruckt haben könnte.

Grundsätzlich aber noch etwas zum Thema vorneweg: Eine Liste aus großartigen Spielemomenten ist ein meinen Augen etwas problematisch, denn eine Sache wird hier häufig extrem vernachlässigt - das Spiel. Guckt man sich die oben erwähnte Liste der größten Spielmomente mal genauer an, dann ist es häufig die Story, die die Autoren begeistert hat. Das Spielerische gibt meistens nicht den Auschlag um in eine solche Liste aufgenommen zu werden. Obwohl darin ja die wirkliche Kunst des Spiels besteht, d.h. Technik, Hardware und Steuerung zusammenzubringen mit Visualität, Story und Charakteren um letztendliche eine Atmosphärik zu schaffen, die beeindrucken kann. Dazu zählt aber noch viel mehr: Online-Games, Community, Support... Das alles sind Dinge, die einen großartigen Spielmoment erst bedingen.

Aber gut, zu viel des Redens. Ich will nicht behaupten diesen Defekt in meine Liste beheben zu können, aber ich habe zumindest mal deutlich gemacht, dass ich drüber nachgedacht habe. Hier als meine definitiv unvollständige Top 10 von großartigen Spielemomenten.

10Metroid Fusion: Großartiges auf kleinem Bildschirm
Ok, eigentlich gelogen. Denn die hinteren Plätze belegen eigentlich nicht unbedingt die Spielmomente, als vielmehr die Spielatmosphären. Bei Metroid Fusion fand ich es extrem beeindrucken mit wie wenig High Definition ein Spiel auskommen kann. Ich habe MF auf einem Gameboy Micro im Urlaub durchgespielt und konnte irgendwann nicht mehr davon lassen. Irgendwann zählen nur noch, Samus Aran, die Weltpiraten und die Mission. Sonnenbrand ist Nebensache. Und wenn man dann den Kampf gegen das eigenen Ich am Schluss gewonnen hat, dann ist man schon extrem stolz.

9Battlefield 1942: Die Arbeit eines Ingenieurs
Dieses Spiel muss einfach in die Liste der Großartigsten. Nicht umsonst habe ich meiner Liebe bereits im select(bf)-Projekt kundgetan. Die endlosen Stunden, die mit dem Verminen von Flaggenplätzen verbracht habe, und der unbändige Stolz, wenn man selbigen gegen 2-3 Sturmpanzer auf einmal verteidigt hat, den hat bisher kaum ein anderes Spiel hervorrufen können. Leider hat die Battlefield-Serie die Kommerzialierung mittlerweile fast vollständig durchlaufen und dabei fast sämtliche Qualität verloren. Schlechte Patches, überteuerte Expansionpacks, keine Weiterentwicklung für die Engine. "The long and constant fall of Battlefield 1942".

8Max Payne 2: Brennende verdrehte Liebe
Bei Max Payne bin ich mir bis heute nicht sicher, ob ich das Spiel evtl. nicht so verstanden habe, wie es hätte sein sollen. Zumindest stellte sich das Ganze für mich als Amoklauf eines ziemliche gestörten verliebten Polizisten dar, dessen Beweggründe zwar einfach aber durchaus nicht immer nachvollziehbar waren. Das Geniale daran: Man ist als Spieler ja zum Handeln gezwungen, d.h. man muss Dinge tun, die man vielleicht selber nicht gut heißen kann. Ich fand das eine sehr coole Darstellung einer inneren Obsession. Man stellt nicht nur die Konsequenzen von Handlungen dar, nein man lässt den Spieler sogar noch an den Handlungen Verantwortung übernehmen.

7Psychonauts: Alternative Therapiesitzung
Dieses Spiel ist in meinen Augen das mit Abstand beste Jump n Run, was es zu spielen gibt. Insbesondere die Rayman-Serie würde ich als direkt Konkurrenz sehen, aber die kann von Story, Ideen und Atmosphärik einfach nicht mithalten. Aber hiermit ist dann auch tatsächlich der erste Spielmoment erreicht: Es gibt eine Stelle in Psychonauts, wo man eine Tür findet und dann einem neurotisch beschränktem Charakter gegenüber steht. Wenn einem dann der Gedanke kommt, dass man ja, durch die Tür in den Kopf des Gegenübers steigen könnte, um die verwurschtelten Wirrungen wieder zu entknoten, und dieser Versuch auch noch von Erfolg gekrönkt ist, macht sich schon ein Schmunzeln breit.

6Doom 3: Höllische Babys
Ich sags ehrlich: Ich hatte Angst, manchmal sogar so viel, dass ich nach ner halben Stunde spiele echt erstmal Pause machen musste. Doom 3 ist es echt gelungen, die Bedrohung von Wissenschaft und dem ultimativen Bösen direkt bis hinter die Glasscheibe des Monitors zu bringen, und man kann als Spieler manchmal nur noch kopfschüttelnde Fragen: "Brauch die Welt tatsächlich Teleporter?". Als es dann nach Stunden des ängstlichen Spielens in die Hölle ging und das erste Baby-Weinen durch die Hallen schallte, da habe ich mir auch virtuell ganz schnell eine Ecke zum Verstecken gesucht.

5Gears of War: Auf die sanfte Tour
OK, das hier ist jetzt nichts für zart Besaitete: GoW ist tatsächlich der beste Shooter den man aktuell Spielen kann. Aus gelungener 3rd-Person Perspektive schlägt man sich und seinen Trupp aus harten Jungs durch die besetze Erdoberfläche. Dabei gehts vom Waffenarsenal mächtig zur Sache, aber auch die gothische Architektur und die extrem hochwertige Grafik tragen zum Gelingen bei. Aber der Moment an sich: Wenn man zum ersten Mal das Kettensägenbajonett seines Sturmgewehrs entdeckt. Gut, der eine oder andere Jugendschützer wird sich direkt Sorgen um meine geistige Gesundheit machen, aber die Animation ist einfach super.

4Wii Sports: Beweungsunschärfe
Ok, dieser spielerische Hochmoment könnte simpler nicht sein. Wenn man nach erfolgreichem Abtransport aus dem hiesigen Media Markt und dem Anschluss des kleinen weißen Wunders an die heimische TV-Anlage endlich die ersten Luftbälle durchs Wohnzimmer drischt, dann unterhält das nicht nur die Nachbarschaft. Nein, auch der eigene Spielergeist fühlt sich plötzlich irgendwie, wie ein Teil von Star Trek. Ich warte nur auf die ersten Online-Spiele, wenn man sich dann vorstellen kann, dass irgendwo auf der Welt gerade jemand die gleichen merkwürdigen Verrenkugen im Nichts vollführt.

3Duke Nukem 3D: Pixel Chantalle
Ja, warum drumherum reden. In meinen damals frühpubertären Jahren, da hatte auch das primitive Rotlichtviertel seinen Reiz. Aber dem nicht genug: Duke Nukem, der Schockfroster unter den Coolen, konnte seiner Herzensdame auch noch Dollars zuschieben, um sie zur Entblößung zu bewegen. Wir danken der Academy und 3D Realms, sowas hat sich bisher keiner nachzumachen getraut.

Pixelstripperien Chantalle bei der Arbeit

2Medal of Honor: Sturm auf Omaha Beach
Dies ist die Stelle, die auch in den 101 Greatest Gaming Moments Erwähnung findet. Man stürmt mit 20 anderen Mannen auf die befestigten Stellung an Omaha Beach zu, nur um festzustellen, dass man der einzige ist, der die Maschinengewehrsalven direkt zu Anfang überlebt hat. Denn sobald die Klappe des Landungsbootest sich senkt, fallen die Kameraden links und rechts. Dieser Augenblick hat mich deshalb so beeindruckt, weil ich das erste mal daran gedacht habe, warum Computerspiele nicht auch verwendet werden, um ernste Themen zu vermitteln. Ich meine es gibt auch Filme, die nicht nur Unterhaltungswert haben, warum vermittelt man nicht auch seriöse Themen mal in neuer Form. Ich wäre unter den Käufern.

1Warcraft 3: Die Orcs eine ausgenutzte Rasse
Es scheint so zu sein, dass Mitleid im Computerspiel die beeindruckendste Emotion ist, denn diese Storywendung fällt mir zum Thema Orcs immer wieder ein. Als sich im Laufe von WC3 herausstellt, dass die Orcs bereits 2 Spiele lang nur das Utensil der Brennenden Legion war, um die Menschen zu unterjochen, der war ich schon extrem beeindruckt. Als in der Zwischensequenz dann auch noch einer der beiden Oberorcs sein Leben lassen muss, da musste ich schon einen kleinen Kloß herunterwürgen. Die Story alleine hätte es aber nicht geschafft, alleine der Fakt, dass man in WC1 und 2 die Menschen gegen die angreifenden Orcs hatte verteidigen müssen, macht erst das ganze Ausmaß dieses Betrugs deutlich.


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