EMI bietet DRM freie Musik bei iTunes

Heute scheint einer der Tage zu sein an denen die Hölle wegen Frost geschlossen ist: Der erste große Musikanbieter hat sich entschlossen Musik in einem DRM-freien Format anzubieten. Das Ganze natürlich nicht ohne eine öffentlichkeitswirksame Ankündigung zusammen mit Steve Jobs und natürlich in der erfolgreichsten Plattform für digitale Musik: iTunes. Als Steve Jobs vor einiger Zeit noch großspurig ankündigte, dass er ja am liebsten auf DRM verzichten würde, wenn möglich, da glaubte man noch kaum daran, dass diesen Worten Taten folgen könnte.

Die gesamte Ankündigung gibts übrigens hier zum Nachhören und Nachblättern hier. Mit "EMI" alleine kann man evtl. noch nichts anfangen, wohl aber mit den Künstlern, die nun bald DRM-frei bei iTunes zu haben sind: "Robbie Williams", "Red Hot Chilli Peppers", "The Beatles" und auch "Helge Schneider"...

Nun darf man natürlich vermuten, dass auch diese Äußerungen von Jobs nicht ohne Absprache oder Kalkül passiert sind, aber hier zählt glaube ich die Tat mehr als die ökonomische Strategie dahinter. In einer von Misstrauen gegenüber dem Kunden so bestimmten Industrie, wie der Musikindustrie, brauch es dringend einen Mutigen, der den ersten Schritt geht.

Wie wird es funktionieren

Grundsätzlich wird es den gesammten Katalog von EMI als Standard-Version zum Preis von 0,99€ geben, oder aber als Deluxe-Version ohne DRM und in einer doppelt so hohen Tonqualität (128KBit vs. 256) zu einem Preis von 1,29€. Zusätzlich kann man sich im Nachhinein noch, bereits gekaufte EMI-Titel zum Preis von 0,30€ auf die Deluxe-Version aufwerten lassen. Das Ganze beginnt im Mai.

Um es mit den Worten eines Künstler von EMI zu sagen: "Fucking brilliant" oder mit den Worten von Nicoli selber "a critical moment in the development auf our industry". Dies ist in meinen Augen nun endgültig der Schritt zurück zur Gerechtigkeit. Ich persönlich würde immer die 0,30€ mehr bezahlen, wenn ich mir dadurch erspare, dass iTunes bei jeder MP3-CD alle gekauften Songs aus der Sammlung nimmt.

Der preisliche Unterschied mag in dieser Phase noch etwas hoch liegen, wird sich aber bestimmt im Laufe des Verkaufs relativieren. Aber besonders wichtig: Die Preise für die kompletten Alben bleiben bei 9,99€. Ein schlauer Zug, denn so geht der Vorteil des Onlinekaufs nicht verloren: Würde ich nämlich bspw. 12,99€ für das DRM-freie Album bezahlen, so kann ich es auch samt Wahlfreiheit und Booklet beim Plattenhändler um die Ecke erstehen.

Was bedeutet das eigentlich

Es klingt immer etwas Apple-Jünger-mäßig, wenn man Steve Jobs und in diesem Fall auch Eric Nicolis Taten rühmt, aber ich glaube dieser Schritt ist größer, als man unmittelbar abschätzen kann. Der vermutete Erfolg wird sich wohl automatisch einstellen, denn hat man die Wahl zwischen Freiheit und Kontrolle, ist die Entscheidung relativ schnell klar.

Aber es ist noch mehr als ein Schritt für die Musikindustrie, es ist ein Fingerzeig für die gesamte DRM-Gedanken verseuchte Medienindustrie, die immer noch glaubt, dass man mit Kontrolle und schlechtem Gewissen die gar nicht mal so schlechten Zahlen wieder aufbessern kann. Denn mal ehrlich, wenn mir mein Windows Vista Rechner demnächst sagen würde, dass ich eine bestimmte CD nicht rippen darf, weil das der Hersteller nicht möchte, dann ist "format c:" ziemlich schnell getippt.

Eine Sache scheint man in der Medienindustrie wohl noch nicht verstanden zu haben: Die Medienentwicklung kann man nicht kontrollieren. Sowohl neue Medien, als auch Technologien entstehen außerhalb von Intentionen und ökonomischen Abwägungen. Es gilt also nicht den Versuch zu unternehmen sie zu kontrollieren, sondern sie in bestem Maße zu integrieren und mit ihnen zu leben. Man muss seinen Kunden vertrauen, so wie es auch Nicoli in der Frage und Antwort-Runde sagt, als ein Report provokant fragt, ob man nun Filesharing mit MP3-Dateien unterstützen würde:

We have always argued that the best way to combat illegal traffic is, to make legal traffic available at devent value and conviniently. We take the view that we have to trust consumers. The fact that some will continue to disappoint us and choose to steal the music is inevitable.

EMI und Apple dürfen sich in meinen Augen also durchaus als Initiatoren einer Revolution sehen, die hoffentlich in den nächsten Monaten bestimmt noch mehr große Labels als Anhänger finden wird, und so vielleicht wieder zu einem klaren Gerechtigkeitsverhältnis zwischen ehrlichen und unehrlichen Kunden führen wird, denn die Argumente "Sound quality" und "complete freedom of choice" sind nur die ökonmischen Argumente für ein ganz anderes Problem.

 

Comments

  • Björn00:14 03.04.2007

    Tut mir leid, aber "The Beatles" sind von diesem Deal expliziet ausgenommen ;-)

  • Tim11:42 03.04.2007

    Ehrlich jetzt? Hab nochmal nachgelesen und konnte das nirgends finden. Selbst in der PK haben sie ja auch von den Beatles geredet...

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