eBay: Eine Mängelliste

Mit glänzenden Augen strahlt mir der "Sofort-Kaufen"-Button entgegen. 1,99EUR für einen iPod-Kopfhörer, das ist echt ein Schnäppchen. Klar schlägt man da gerne zu, man sieht ja auch erst auf den zweiten Blick, dass die Versandkosten 12,95EUR betragen. Da ahnt man dann auch, wie die eBay-Gebühren und die Kosten fürs Material wieder reinkommen.

Im Moment schallt es ja durch so einige Blogs und News-Beiträge. Ebay verliert zunehmend Kundschaft und User. Kein Wunder eigentlich, wenn ich auf meine eigenen letzten Erfahrungen mit der einst so strahlenden Online-Plattform zurückblicken. Es gibt eigentlich kaum eine Ecke, wo der Kahn eBay noch nicht leckt. Deshalb versuche ich mich mal, etwas Kork für die größten Löcher zu spendieren.

Meine beiden letzten eBay-Erfahrungen waren passenderweise eine Kauf- und eine Verkaufsaktion. In der Verkaufsaktion habe ich einen RAM-Riegel feilgeboten. Der wurde mir dann für rund 7 Euronen abgesnipert. Die Kaufaktion war ähnlich enttäuschend: Günstig hatte ich per Sofort-Kauf ein Spiel erstanden und sofort bezahlt. Nur um dann mitten im Bezahlprozess plötzlich meinen eigenen Artikel als "nicht mehr bei eBay verfügbar" bzw. "gelöscht" engezeigt zu kriegen.

Ebay hatte den Verkäufer gerade während meines Kaufvorgangs von der Plattform ausgeschlossen. Ich hatte als einzigen Nachweis (bezahlt hatte ich ja schon) nur noch die Bestätigungsmail und meinen Kontoauszug. In "Mein Ebay" war auch nach mehrmaliger(!) Kontaktaufnahme mit dem Support Mail-Beantwortungsroboter war die Auktion nicht zurückzuholen.

Erwartungsgemäß ging auch die Abwicklung mit dem Verkäufer in die Hose. 2 Wochen keine Meldung, dann die Leugnung meiner Zahlung, letztendlich das Eingeständnis, dass er das gekaufte Spiel nicht mehr habe. Bin gespannt, ob mein Geld zurückkommt. Besagter Verkäufer räubert übrigens weiter bei eBay: er wurde wieder freigeschaltet.

Pech für mich: Im Schadensfall, kann ich nicht mal den eBay-Käuferschutz in Anspruch nehmen. Der greift nämlich erst ab 25EUR. Selbst dann berechnet eBay bei jeder Inanspruchnahme 25EUR Bearbeitungsgebühr ergo kriegt man bei 25EUR Schadenswert genau: goar nix. (Im Amazon Marketplace gibts übrigens die Kohle im Problemfall per Garantie direkt und ohne Probleme zurück. Den Streit mit dem Verkäufer übernimmt dann Amazon für den Käufer.)

Plattform-Kultur

Das liebe Geld
Ich glaube jeder hat beim ersten Mal "Vorkasse zahlen" bei eBay ein mulmiges Gefühl gehabt. Mich persönlich haben nur die Beteuerungen von Bekannten "eye, das geht echt"  dazu gebracht es auch einmal zu probieren. Man kann als Käufer ja nur darauf hoffen, dass der Verkäufer es auch tatsächlich gut meint und seiner Pflicht nachkommt. Klappt es dann wider Erwarten nicht, steht man als Käufer alleine da: eBay beteuert zwar, dass sie alles tun, um zu helfen, aber wer schmeisst sich für häufig Kleinbeträge denn dann schon ins Zeug. Da winkt man vielmehr zähneknirrschend ab, und lässt den Ganoven Ganoven sein.

Ich finde gerade in solchen Augenblicken müsste eBay zeigen, wofür sie da eigentlich Geld kassieren und womit sie ihre Werbung schmücken. "3, 2, 1....*keuleschwingen*". Wenn ein Unternehmen mit Anwalt und Anzeige droht, und dazu noch über alle notwendigen Daten verfügt, dann beeindruckt das den sündigen Verkäufer definitiv schneller, als der erhobene Zeigefinger vom kleinen Mann.

Auch verfügt eBay ja mit Paypal über eine eigene Bank. Warum ist es da nicht möglich Treuhand-Bezahlungen vorzunehmen? Soll heißen: Der Käufer zahlt sein Geld an eBay und nicht an den Verkäufer. Dieser kriegt sein Geld erst, wenn der Empfang des Artikels bestätigt wurde. Umgekehrt schickt der Verkäufer den Artikel erst dann los, wenn eBay den Erhalt des Geldes meldet. Wäre doch so einfach, oder?

Nutzerkommunikation und Web 2.0
Es scheint ja nichts heiliger als die "Reinheit des Angebotes". So darf sich ja in einer Artikelbeschreibung kein externer Link finden (auch wenn er evtl. auf Test- oder Erfahrungsberichte verweist). Genauso wenig erlaubt es eBay ja nicht zu den Artikeln evtl. eine Diskussion aufzumachen bzw. Kommentare zu posten, obwohl sich doch gerade hier das Leben tummelt.

Warscheinlich würden doch gerade so zwielichtige Angebot als solche entlarvt. Dann könnte niemand mehr "Die hintere Lasche vom iPod Nano-Karton OVP NEU!!! in TOP-Zustand" verkaufen. Denn viel zu schnell hätte jemand "Idiot!" kommentiert. Klar man spart sich Moderationsarbeit und evtl. geschäftsschädigende Diskussionen für die Verkäufer, aber im Toys R Us hat mir neulig auch ne sehr faltige 50-Jährige mit nikotinschwangerer Stimme gesagt: "Der Teil von GTA is nich gut...hab die alle zu Hause...".

Mal ehrlich, bei Digg stellen die User den Content. Bei eBay darf ich nicht mal kommentieren?

Bewertungen
Das 3-Stufen Bewertungssystem ist schön einfach zugegeben. Aber nach dem üblichen Verwendungswesen bei eBay entsprechen diese Bewertungen nicht dem eigentlichen Sinn, sondern sind vielmehr so gemeint:

Positiv - Alles was irgendwie funktioniert hat. Auch mit langer Wartezweit, nerviger Kommunikation, hin- und hergeschicke, usw.
Neutral - Verkäufer/Käufer tut eigentlich nicht was er soll. Soll heißen, schickt krumme Sachen. Überweist kein Geld, mann muss ständig hinterher. Der Bewertende ist aber zu nett um negativ zu bewerten.
Negativ -  Verkäufer/Käufer ist grenzdebil, nervtötend, dreist oder kriminell.

#Sprungmarke 1: Mit Hilfe der "Auf Bewertung kommentieren"-Funktion (die natürlich noch in "Auf Kommentar zur Bewertung kommentieren"-Iteration zu haben ist) kann der eBay-User dann die tollsten Fäkalworte Geschichten über den Geschäftsvorgang lesen. Wie bei Olli Geißen, nur echt...

Noch schöner: Das Phänomen der Rachekommentare: "Wie Du mir so ich Dir. " - "Tit for Tat" - "Spuckst Du mir in die Suppe, tu ich Dir das auch" - "Ätschi". Man kann nämlich gar nicht gefahrlos negativ bewerten, weil man immer gefahr läuft, dann entsprechend negativ zurückbewertet zu werden, was man dann mit einem Kommentar wieder geraderücken muss: siehe Sprungmarke 1

Wie wärs: Ein Bewertung bleibt solange unsichtbar, bis beide Geschäftspartner die Transaktion bewertet haben? Das hätte zum einen den Vorteil, dass die Verhältnismäßigkeiten gewahrt bleiben, und Powerseller auch nur dann ihre guten Bewertungen kriegen, wenn sie auch in die Rückbewertung denken. Zum anderen hätte das Ganze dann sogar noch Speeddating-Flair: Wie der andere mich wohl findet?

Plattform-Benutzung

Ums mit den Worten aus einem Seminar aus dem letzten Semester zu sagen: "Jetz wou die Zeit ds Web 2.0 angebroche is, da schdäjd der Benutzer ganz im Middelpunkt. Alls wädd aafocher zu benutze unn iwwersischtlischer unn so." Mmh...


Find ich irgendwie nicht, und manchmal, da muss ich nachts weinen, weil ich bei eBay nicht mehr wusste, wo ich hingucken soll. Wenn der Aufmerksamkeits-Overkill irgendwo bis zum Erbrechen praktiziert wird, dann hier. "Ach joh, unn noch was: JavaScript-Overlays sinn ganz schäj zünftisch färs Gesäß!!"

Aber ich hoffe auf das Beste. Denn wenn eBay funktioniert, dann gehe ich da wirklich gerne hin. Es fallen einem nämlich keine kleinen Kinder vor die Füße und man wird nicht nach seiner Payback-Karte gefragt. 

Comments

  • Felix19:02 14.08.2007

    Oops, ohne JavaScript kann man leere Kommentare posten.

  • Tim18:40 15.08.2007

    Ja, da hast Du recht, das ist etwas unsauber. Ich sollte da mal nen Riegel vorschieben :)!

  • Benedikt11:05 15.11.2007

    Dem kann ich nur zustimmen! Ich hab erst ein paar Mal Ebay benutzt und dabei ist es mir vergangen. Mit den Bewertungen hast du z.B. vollkommen recht: Ich hab mich einmal nicht getraut den Verkäufer mittelmäßig zu bewerten, weil er sich dann quasi sofort rächen kann. Und eine schlechte Bewertung bei meinen mickrigen 4 Transaktionen wäre viel schlimmer als eine bei seinen 1000. Das Vorkasse-System ist ebenfalls zum Vergessen. 1. Schaffen es manche Anbieter nicht, vollständige Kontoinfos anzugeben, 2. zocken einen die Banken mit ihren unübersichtlichen Webinterfaces ab, wenn man nicht genau die richtige Überweisungsart wählt (und das innerhalb der EU!) und 3. ist man, wie du bereits erwähnt hast, dem Verkäufer manchmal ausgeliefert. Bei mir war das z.B. so, das ich trotz korrekter Überweisung (mit meinem Namen im Feld "Verwendungszweck", damit der Verkäufer mein Geld zuordnen kann) mein Produkt einfach nicht bekam. Nachdem ich den Verkäufer kontaktiert, dieser sich aber nicht gemeldet hatte, meldete ich den Fall bei Ebay. Erst dann stellte sich raus, dass sie meine Ware erst verschicken konnten, nachdem alle anderen überwiesen hatten, weil ich angeblich meinen Namen nicht angegeben hatte. Hatte ich aber, aber machen kann man dann auch nichts mehr. Mir ist es einfach ein Rätsel warum so viele Verkäufer nicht PayPal verwenden. Klar kostet es was, dafür wäre es mir als Kunde wesentlich lieber. Von der potthässlichen und, was noch viel schlimmer ist, teils unglaublich unübersichtlichen Oberfläche und dem umständlichen Workflow bei manchen Aktionen will ich gar nicht erst anfangen ...

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