Daten und Dateien von zwei Macs synchronisieren

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Sobald man Besitzer eines zweiten Macs wird, dauert es höchstens bis zum Verfliegen der Auspackbegeisterung, bis sich einem die Frage stellt, wie man denn nun auf zwei Maschinen sinnvoll arbeitet. Der eine Mac (vermutlich ein MacBook) soll ja unterwegs die selben Daten (Adressbuch, Mails, iCal-Einträge) und Dateien (Grafiken, Materialien) enthalten, wie der zweite Mac (evtl. ein iMac oder Mac Pro) zu Hause. 

Noch besorgter wird man sich fühlen, wenn man merkt, dass auch Apples famoser .mac oder dotmac-Dienst hierauf nur teilweise antwortet: Der kann zwar locker aus der Hüfte Mail, iCal und Adressbuch synchronisieren (und das auch unschlagbar gut), aber die kompletten Projektdaten kann man nur schwer auf 10GB Speicher ablegen und die Synchronisation dahin wäre auch nich sonderlich schnell. Aber wenn man ein bisschen sucht gibts für beides eine fast ultimative Lösung

Prolog

Die total ultimative Lösung wäre "Portal". Das ist ein Programm, welches gerade im Rahmen des MyDreamApp-Projektes entwickelt wird. Es soll sowohl iCal, Adressbuch als auch Dateien und Mails per Bonjour automatisch synchronisieren können. Leider ist dessen Entwicklung denkbar schwierig und laut der Entwickler ist der erste Release wohl auf Januar kommenden Jahres vertagt. Da wird man wohl noch ein bisschen warten müssen, bis die goldenen Tage anbrechen.

Adressbuch, iCal und Mail

Zu allererst sollte man die eigenen Mail-Accounts vom klassischen POP3 auf IMAP umstellen. Wer einen eigenen Server besitzt wird dies sowieso problemlos tun können, aber auch viele Provider bieten dies an. Leider will z.B. GMX Geld für den IMAP-Zugriff. Aber hier schafft eine Funktion in Mail Abhilfe: Man stellt einfach die Zeit, nach der die Mails vom Server gelöscht auf 1 Woche, oder was einem sonst passt. In dieser Zeit hat man dann die Möglichkeit die Mails auch noch mit dem Zweitrechner abzurufen. Um doppelte Mails muss man sich keine Sorgen machen, Mail lädt nichts doppelt runter. Leider bleibt die "ungelesen"-Markierung trotzdem.

 

Für die Synchronisation von Kalender und Adressbuch gibt es einige Lösungen. Darunter unter anderem das bekannte .mac direkt von Apple, aber auch macbay und plaxo können iCal und Adressbuch synchronisieren. Dabei ist allerdings plaxo der einzige Dienst, der kostenlos ist. Dass das Geschäftsmodell dann aber mit den persönlichen Daten zu tun hat, kann man sich aber denken.

Es gibt aber auch noch Lösungen für das eigene Firmennetz. Busysync sieht zum Beispiel sehr vielversprechend aus. Es synchronisiert leider nur iCal, aber Adressbuch-Support ist für die Zukunft angedacht. MacUpdate hält aber auch eine Menge weiterer Lösungen bereit.

Leider ist bei den meisten das Problem, dass sie nicht Adressbuch und iCal auf einmal können. SyncTogether könnte das zwar theoretisch, aber das ist leider nicht Leopard-kompatibel.

Lösung
Mein Vorschlag für die Adressbuch, iCal und Mail-Synchronisation heisst schlussendlich aber dotmac. Es funktioniert am zuverlässigsten im Hintergrund und man hat iCal und Adressbuch überall auf dem neuesten Stand. Wer die 99EUR Abo im Jahr scheut, der sei dezent darauf hingewiesen, dass die 60 Tage Testphase für jeden neu angelegten Benutzernamen gelten. Aber für 99EUR kriegt man natürlich auch z.B. Back-To-My-Mac, was bei zwei Rechnern nicht zu unterschätzen ist.


Dateien und Home-Verzeichnis synchronisieren

Für dieses Problem bietet auch dotmac keine sinnvolle Lösung. Man kann zwar Backups erstellen, aber das eigene Home-Verzeichnis bzw. Arbeitsdateien, sind ja auch schnell größer als 10GB. Auch ist die Synchronisation über das Internet bestimmt nicht die Schnellste.

Es muss also eine andere Lösung her, am besten eine die schnell und automatisch über das LAN funktioniert. Picnic ist so eine Lösung. Es synchronisiert beliebige Verzeichnisse über das (W)LAN und auf beliebig vielen Rechnern. Leider hat es bei mir im Testbetrieb eher schlecht als recht funktioniert: Mit großen Ordnern kommt es nur schlecht zurecht (bleibt einfach hängen), auch große Dateien kann es nur suboptimal behandeln. Einfach noch zu buggy.

Bleibt nur noch die Griff zu einem manuellen Verzeichnissychronisationsprogramm, wie z.B. Synk mit dem man dann ein freigegebenes Verzeichnis auf dem einen Rechner mit dem lokalen Verzeichnis auf dem zweiten Rechner. abgleicht. Sieht auf Anhieb sehr vielversprechend aus, funktioniert aber leider nicht wirklich gut. Die optimierte "ZeroScan"-Methode funktioniert nicht auf Netzwerk-Shares, so dass synchronisieren mit einem zweiten Rechner sehr lange dauert.

Ähnliches gilt z.B. für File Synchronisation. Bei diesem kann man zwar komfortable Listen von Verzeichnisse anlegen, die es dann synchronisiert, aber auch die ist wegen der Arbeit auf gesharten Verzeichnisse sehr langsam. Beide Programme kosten außerdem Geld.

Umsonst aber sehr bedenklich ist der FolderShare-Dienst von Microsoft, den es auch für den Mac gibt. Ein kurzer Blick in die AGBs offenbart, dass man sich das Auswerten der Verzeichnisdaten vorbehält. Allein schon, dass man das Tool über ein Webinterface konfiguriert, gibt zu denken.

Lösung
Die schönste und beste Lösung ist Unison. Ein OpenSource-Tool, dass auch von vormals erwähnten Portal demnächst verwendet wird. Unison ist eigentlich ein Kommandozeilen-Tool, aber kommt in der Universal-Binary-Version auch mit einem rudimentären GUI daher. Es synchronisiert sicher und schnell per SSH zwischen den beiden Rechnern.

Synchronisieren mit Unison

Eigentlich ganz einfach. Mit zuerst installiert man Unison auf beiden Macs und installiert über die Menu-Option "Install command-line tool" Unison auch für die Shell. Nun aktiviert man für den Mac, der bei der Synchronisation als Client arbeiten soll (eigentlich egal welcher von beiden) unter "Sharing" in den Systemeinstellungen die "entfernte Anmeldung".

Nun legt man mit "New" ein neues Profil für die Synchronisation an. "First root" ist das lokale Verzeichnis und bei "Second Root" wählt man "Remote" und gibt Username und IP des Client-Macs an. "File" steht auch bei "Second Root" für das abzugleichende Verzeichnis.

Nun das Profil speichern und in der Profilübersicht auf "Open" gehen. Nun fragt Unison noch nachdem SSH-Passwort und schon läuft der Abgleich. Die folgende Übersicht zeigt Konflikte und Änderungen an. Bei Konflikten muss man übrigens selber auswählen, welche Datei man übernehmen möchte. Selbst ein "merge" würde funktionieren, aber nicht ohne manuelle Konfiguration. Mit "Go" führt man die Synchronisation durch.

Einige Veränderungen an der Profildatei können das Ergebnis übrigens noch weiter optimieren. Die Profildateien liegen unter /Users/<username>/Library/Application Support/Unison. Eine ausführliche Dokumentation der Möglichkeiten findet sich hier. z.B. ist es sinnvoll die Systemdateien, die mit "." anfangen von der Synchronisation auszuschließen. Auch lassen sich nur bestimmte Unterverzeichnisse in die Synchronisation einschließen.

# Unison preferences file
root = /Users/username
root = ssh://user@123.456.789.0//Users/username

ignore = Name .*

path = Movies
path = Documents
path = Pictures

Übrigens lassen sich auch so modifizierte Profile immer noch mit der GUI ausführen.

Bis zum Erscheinen von Portal kommt man auf diesen Weg glaube ich der Synchronisationsnot am besten bei.


Comments

  • Timon16:51 19.12.2007

    Klasse text,,, danke für diesen Artikel,, ich werde mich nächste woche mal spielen und schreibe dann mein erfahrung...

  • znk01:59 03.01.2008

    spitzen artikel. hab den ganzen abend in diversen foren gelesen um mir die synchronisations-informationen zusammen zu sammeln. hätte ich diesen artijel früher gelesen hätte ich mir das wohl sparen können. ich weiß zwar immer noch nich welche lösung ich schließlich nehmen werde aber jetzt blick ich wenigstens einigermaßen durch.
    danke.
    znk.

  • syrabo11:26 11.01.2008

    Ich probiere gerade arRsync, eine GUI-Oberfläche für das rsync-Programm. Dafür muss man den anderen Computer zwar einbinden als Netzwerklaufwerk, doch dann klappt es mit "Bidirectionale Synchronise" ganz gut.

    Es ist auch eine gute Möglichkeit für ein Backup-Programm.

  • Tim14:54 11.01.2008

    Aber ist das dann nicht schrecklich langsam, wenn Du auf nem Netzlaufwerk rumfuhrwerkst ?

  • Jörg12:43 11.02.2008

    Auch ich verwende rsync (direkt auf der Kommandozeile) und greife via ssh auf entfernte Rechner zu. Klappt bei mir tadellos...

  • Tim14:38 12.02.2008

    Legt man da auch Profile an, so dass Rsync sich automatisch entfernt einloggt und den Abgleich macht, oder wie funzt das ?

  • Jonas Pelzer15:15 13.03.2008

    Sehr interessanter und nützlicher Artikel, danke dafür!

  • Toast12:01 16.04.2008

    Warum nicht einfach NotMac (http://www.notmacchallenge.com/) verwenden? Das ersetzt dotmac komplett Out-of-the-Box....funktionier wunderbar.

  • Tim12:15 16.04.2008

    Funktioniert das tatsächlich ordentlich? Kannste das auch auf nem Linux-Server verwenden? Das ganze Projekt kam mir nämlich sehr tot vor, als ich mir das angeguckt habe...

  • Toast12:36 17.04.2008

    Ja, funktioniert wunderbar. Ich hab es auf einem BSD Server laufen, geht aber auch unter Linux. Das ganze Paket hat sogar einen eigenen Webserver dabei. Es ist sogar moeglich OS X 10.4 mit 10.5 zu synchronisieren, dafuer muss man aber ein paar kleine Sachen anpassen.

  • Tim23:29 17.04.2008

    Als ich hab das auf Dein Anraten mal runtergeladen und versucht. Der OSX-Client ist ja recht selbsterklärend....aber was mach ich mit dem Linux-Paket....?

  • Auyana09:54 25.11.2008

    Ich habe es gerade ausprobiert und es klappt wunderbar. Danke!

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