Google ist Google. Das Orakel der modernen Welt, Antwort auf jede Frage, neumodisches Verb im Duden und fast omnipräsent. Komisch allerdings, dass diese Firma bei einer solchen Markmacht eines auszeichnet: Eine Philosophie. Etwas das man anscheinend dringend braucht.
Denn das 'Google' ist nicht die erste erfolgreiche Suchmaschine. Ich bin erst 25 und kann mich an viele vorm ihm erinnern, und gerade jetzt habe ich meinen Erstkontakt wiederentdeckt. Er lag im Regal, steht August 1999 drauf. Wenn man jetzt auch noch verrät, dass es sich dabei um eine Ausgabe von "Spektrum der Wissenschaft" handelt, dann ahnt man, dass dieser Artikel sich um Zitate drehen könnte (man bedenke dabei immer: dieser rückblick ist extrem antiquarisch. Damals pilgerten wir noch zu 'Altavista' um es um Rat zu befragen)...
Schon dieser Artikel hat etwas erkannt, was im Google Epic als Grundlage für die Weltherrschaft von Googlezon gesehen wird: Die Empfehlung. Etwas, dass dem Wort "Hypertext" endlich eine Motivation gibt, hyperzu sein.
Wegen seines rasante und chaotischen Wachstums ist das Web aber so gut wie organistations- und strukturlos: ein globales Spaghettiknäuel von bislang unvorstellbarem Ausmaß. [...] Wie findet man in diesem riesigen Misthaufen eine Perle, die man sucht? [...]
Mit Suchmaschinen war bisher die Antwort. [...] Eine solche Textsuche liefert jedoch häufig Zehntausende von Seiten, von denen die meisten unbrauchbar sind. [...] Wir haben ein neues Suchprogramm entwickelt, das sich einen der wertvollsten Teile des Webs zu nutze macht: die Hyperlinks.
Man ahnt es schon fast. Das spricht warscheinlich einer der Hüter des 'Google'. Eine damals revolutionäre Idee, ist heute für jeden den man fragt selbstverständlich. "Suchmaschinenoptimierung - äh, ja das musse gucken, dasse auf hoch gerankten Seiten verlinkt wirst." Aber wie war das damals?
Suchmaschinen, wie Yahoo!, AltaVista, HotBot, Lycos, Infoseek und Excite ordnen Webseiten nach Wichtigkeit mit Hilfe von sogenannten Rangfunktionen, die auf Faustregeln ("Heuristiken") beruhen. [...] Einfache Heuristiken zählen, wie oft der Suchbegriff in der Seite vorkommt, und werten ein Auftreten am Anfang der Seite höher, als in der Mitte oder am Ende.
Das führte zu Fehlschlägen. Als Beispiel wird das Wort "Leistenbruch" angeführt, welches in großer Zahl am Anfang eines Romans vorkam und damit plötzlich sehr relevant für das Thema wurde. Das Prinzip vom 'Google' ist anders:
Im Zentrum stehen bei uns die Hyperlinks. Wir gehen davon aus, dass jeder dieser Verweise eine implizite Empfehlung für die Seite ist, auf die er zeigt. [...] Natürlich gibt es auch Links, die lediglich das Surfen erleichtern ('zurück',...), bezahlte Reklame für ein Unternehmen sind, oder Ablehnung ausdrücken ('klicken sie ja nicht hier',...). Wir glaube jedoch, dass bei Betrachtung einer ausreichend großen Zahl an Links der Zustimmungsaspekt dominiert.
Und dann kamen die entscheidenden Zeilen. Man benke bitte: Ich hatte zu diesem Zeitpunkt mit zarten 19 Jahre das Wort 'Google' noch nie gehört.
Wir sind nicht die einzigen, die das Potenzial von Hyperlinks zur Navigierung des Webs erkunden. Sergey Brin und Lawrence Page von der Universität Stanford (Kalifornien) haben eine Suchmaschine namens "Google" entwickelt, die Webseiten anhand ihrer Links [...] bewertet. Ihr Programm hüpft von Webseite zu Webseite - mit welchem Link, wird vom Zufall bestimmt. Dabei gerät es auf manche Seite häufiger als auf andere. Die Anzahl der Male, die Google auf eine bestimmte Seite gerät, dient als vorläufige Punktzahl für ihre Bedeutung. [...] Auf eine spezfische Frage hin bestimmt Google auf klassische Weise alle Seite, die den Suchtext enthalten, und präsentiert sie dem Anfrager geordnet nach diesen vorab bestimmten Bewertungen.
Ein kleiner gelber Kaste weist daraufhin den Weg: "Näheres über das Projekt Google findet man unter www.google.com". Jetzt noch eine Träne für Fireball und weiter gegoogelt.
Der Artikel steht wie gesagt in der "Spektrum der Wissenschaft Augustausgabe von 1999" stellenweise zitiert aus den Seiten 44 bis 49.
Add a comment